curated by Mahret Ifeoma Kupka

May 18 – August 14, 2021

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Exhibition video

Exhibition views and works

Januário Jano

SDC 001 (Deontological Cloth), 2021

Print on baryta cotton fine art paper rag

200 x 50 x 3 cm

Edition of 4 + 2 AP

Januário Jano

NSG Lot. 01 (No Stolen Goods), 2021

Printed photographs on baryta paper, wax sealed wooden box

Edition of 2 + 1 AP

Januário Jano

Axiluanda II (M006), 2021

Mixed textile, transfer, collage, stitches, hand sewing, acrylic paint and rope

190 x 130 cm

Januário Jano

Axiluanda I (M005), 2021

Mixed textile, transfer, collage, stitches, hand sewing, acrylic paint and rope

200 x 140 x 70 cm

Januário Jano

Kazumbi (Film installation), 2021

Two-channel video

3:03´´

Edition of 3 + 2 AP

Januário Jano

Prayer, 2019

Inkjet on 100% cotton fine art paper rag

270 x 145 x 3 cm

Edition of 4 + 2 AP

Januário Jano

SDC 002 (Deontological Cloth), 2021

Print on baryta cotton fine art paper rag

220 x 50 x 3 cm

Edition of 4 + 2 AP

Januário Jano

SDC 003 (Deontological Cloth), 2021

Print on baryta cotton fine art paper rag

32 x 127 x 3 cm

Edition of 4 + 2 AP

Januário Jano

Procrastination I (installation), 2021

Print on baryta cotton fine art paper rag, objects, candles and wooden shelf

226 x 160 x 10 cm

Edition of 3 + 2 AP

photos credit: Ivan Murzin

PRESSEMITTEILUNG

Einzelausstellung: Arquivo Mestre – Januário Jano

Ort: Jean-Claude Maier Galerie – Frankfurt

Laufzeit: 18.5 – 14.8.2021

Kuratorin: Dr. Mahret Ifeoma Kupka

Those who don’t know their history

wander blindly and obliviously through the present

 and stumble along their way to the future.

–       Maria-Gracia Latedjou

Januário Jano (*1979 in Luanda, Angola) befasst sich in seiner künstlerischen Arbeit mit Prozessen des Erinnerns und der Idee von kultureller Zugehörigkeit. In seinen Performances, großformatigen Textilarbeiten, Foto- und Videoinstallationen verwebt der zwischen Lissabon, London und Luanda lebende Künstler traditionelle Praktiken der Ambundu mit popkulturellen Elementen.

Arquivo Mestre ist seine erste Einzelausstellung in Deutschland. Sie ist ab 18. Mai 2021 in der Frankfurter Galerie Jean-Claude Maier zu sehen. Die eigens für die Ausstellung entstandenen Werke sind rein ästhetisch erfahrbar, laden zugleich ein zur intensiveren Ergründung. Jeder Blick, jedes Hinhören, verspricht eine neue Entdeckung, einen weiteren Hinweis, auf bisher Verborgenes: Vogelgezwitscher empfängt die Besucher:innen der Ausstellung. Keine lebenden Tiere, sondern Tonaufnahmen längst ausgestorbener Arten tönen aus Lautsprecherboxen. Für die Soundinstallation Dusky Dorky – Looking for Dodo durchforschte Jano das Sound-Archiv des Britisch Museum in London, das bekannt ist für seine umfangreichen Sammlungen kolonialer Aneignungen. Das Trällern wird zur Geisterstimme, die von vergangenen Zeiten erzählt, zum Kazumbi, einem Geist aus einer anderen Welt wie im traditionellen Glaubenssystem der Ambundu. Im Museum sind die Vogelstimmen Archivobjekt: dokumentiert, inventarisiert, gewaltsam dem natürlichen Lebensraum entrissen.

Kazumbi ist auch der Titel der ausgestellten Videoarbeit. Wie von einer fremden Kraft ergriffen bewegt sich Jano auf den Bildschirmen zu rhythmischen Atemgeräuschen. Er trägt dabei ein weißes Kleid, eines, das auch seine Großmutter getragen haben könnte, damals zu Kolonialzeiten im heutigen Angola. Kein traditionelles Gewand, sondern eines im Stil der kolonialen Herrschaften, das zugleich an klerikale Gewänder erinnert. Die Kleidung des weißen Mannes, der weißen Frau, war ein erster Schritt im Prozess der kulturellen Assimilation, weg von der eigenen Erzählung, der kollektiven Erinnerung, weg von den Mponda, wie die gürtelartigen Baumwolltaschen heißen, in die die Frauen der Ambundu ihre Geschichten stets bei sich bewahrten.

Die textilen Arbeiten Janos wirken wie eine in den Raum greifende Erweiterung dieser: Stoffbahnen, Taschen, Ausbuchtungen, Muster, aufgedruckte Formen und Fotografien, bunte Nähte und Fäden werden zur umgestülpten Mponda. Keine gradlinige Erzählung, vielmehr Erinnerung, wie sie funktioniert: verschlungen, springend, schleppend, mäandernd, plötzlich, sich mit anderen Erzählungen überlappend ständig verändernd.

Mit Arquivo Mestre leistet die Galerie Jean-Claude Maier einen Beitrag zu hochaktuellen Debatten um Erinnerung, Deutungsmacht, Multiperspektivität und kulturelle Identität. Wie kann der globale Norden seine Verantwortung in post-kolonialen Zeiten leben? Inwiefern prägt der Kolonialismus globales Zusammenleben bis heute? Wie wird ein Miteinander auf Augenhöhe denkbar?

Janos Fotoarbeiten zeigen Spuren kolonialer Gewalt. Christliche Kreuze dienten den Eroberern als Markierung erfolgreicher Missionierung, d.h. auch Verdrängung indigener kultureller Praktiken, Traditionen und Handwerke. Auf dem Praça De Escravos, dem Platz der Sklaven wurden unterm Kreuz Menschen zu Sklaven gemacht. Not Stolen Goodsist eine sechs-teilige Installation, bestehend aus Transportkisten und Fotografien, die Objekte aus Angola zeigen, die zu Kolonialzeiten geraubt wurden und sich heute in europäischen Museen befinden. Wurden sie in solchen Kisten transportiert? Werden sie in solchen zurückkehren oder bleibt nur ihre fotografische Dokumentation, ihr digitaler Alias?

Es heißt über 80% des kulturellen Erbes Afrikas befindet sich in Museen, privaten Sammlungen und Depots außerhalb des Kontinents. Eine junge Generation Europäer:innen, Nachfahren afrikanischer Herkunft, stellt zunehmend Fragen, auch nach einer gemeinsamen kulturellen Identität, jenseits von Fremdmachung und weißer Dominanzkultur. In künstlerischen Arbeiten werden Mythen und Geschichten ihrer Ahnen lebendig, verschmelzen mit gelebtem Alltag heute, schaffen neue hybride Realitäten, die sich längst nicht mehr in Hier und Dort unterscheiden lassen.

KÜNSTLER

Januário Jano (*1979 in Luanda, Angola) absolvierte 2020 den Master of Fine Arts an der Goldsmith University in London. Seine multimediale künstlerische Arbeit umfasst Malerei, Textilkunst, Performance, Sound- und Videokunst sowie Fotografie. In ihr verschmelzen popkulturelle Einflüsse mit traditionellen Praktiken. Der eigene Körper ist stets zentral und für ihn Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Jano lebt und arbeitet in Luanda, London und Lissabon – www.januariojano.com

AUSSTELLUNGEN (Auswahl)

Around the table. No20 arts, London: 7.5 – 26.6.2021

Redirecting. Tree Art Museum, Peking: 1. – 31.1.2021

Africa Universe I. Primo Marella Gallery, Mailand: 24.9 – 31.1.2021

Departure. Jean-Claude Maier, Lissabon: 13.11 – 10.12.2020

London Grads Now. Saatchi Gallery, London: 3.09 – 11.10.2020

Begin Again. Guts Gallery, London: 13. – 27.08.2020

Public Notice.An Exhibition. Gallery 46 & Public Spaces, London: 20. – 30.8.2020

Tomorrow: London. White Cube Gallery, London: 10.7. – 13.8.2020

Leap of Faith. NO-NO Art Gallery, Lissabon: 5.5. – 7.8.2020

Discourses of Decoloniality. Tinawc Gallery, Lissabon: 2.6. – 1.7.2020

PUBLIKATIONEN

Atlantica: Contemporary Art from Angola and its Diaspora, 2018, Hangar Books

Protocollum 2017/2018 : Global Perspectives on Visual Vocabulary, Dickersbach Kunstverlag

 

KURATORIN

Dr. Mahret Ifeoma Kupka ist Kunstwissenschaftlerin, freie Autorin und seit 2013 Kuratorin für Mode, Körper und Performatives am Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main. In ihren Ausstellungen, Vorträgen, Moderationen, Texten und interdisziplinären Projekten befasst sie sich mit den Themen Rassismus, Erinnerungskultur, Repräsentation und der Dekolonisierung von Kunst- und Kulturpraxis in Europa und auf dem afrikanischen Kontinent. Sie studierte Volkswirtschaftslehre in Heidelberg, sowie Kunstwissenschaft/Medientheorie, Philosophie und Ausstellungsdesign an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, wo sie 2015 mit einer Dissertation zum Thema “Modeblogs und der Mythos der Revolutionierung der Mode” promovierte. 2021 war sie Teil der Jury der Hessischen Kulturstiftung und der KfW Stiftung. Ihr aktuelles Projekt – Talking Objects LAB – befasst sich mit Wissen und Erinnerung jenseits europäischer Wissenssysteme, (post-)kolonialen Denkmustern und der Reflektion eurozentristischer Perspektiven.

www.mahretkupka.de

www.talkingobjectslab.org

RAHMENPROGRAMM

Zur Ausstellung erscheint ein Film und eine Künstleredition.

Kuratorenführung auf Anfrage.

Künstlergespräch geplant.

Die Ausstellung wird freundlich unterstützt von der Stiftung Kunstfonds Bonn im Rahmen von Neustart Kultur.

PRESS RELEASE

Solo exhibition

Arquivo Mestre–­ Januário Jano

Location: Jean-Claude Maier Gallery/ Frankfurt

Duration:18.5. – 14.8.2021

Curator: Dr. Mahret Ifeoma Kupka

 

Those who don’t know their history

wander blindly and obliviously through the present

 and stumble along their way to the future.

–       Maria-Gracia Latedjou

Januário Jano (*1979 in Luanda, Angola) engages in his artisticwork with processes of memory and cultural identity. Living between Lisbon, London and Luanda, the artist interweaves traditional Ambundu practiceswith pop cultural elements in his performances, large-scale textile works, photo and video installations.

Arquivo Mestreis his first solo exhibition in Germany, taking place at Jean-Claude Maier Gallery in Frankfurt from 18 May 2021. Specially produced for the exhibition, the works offer a stark aesthetic experience, while also inviting to a deeper exploration. Every look, every listening promises a new discovery, another clue to something previously hidden: the chirping of birds greets the visitors inside the exhibition. No living animals, but sound recordings of long-extinct species emanate from loudspeakers. For the sound installation Dusky Dorky – Looking for Dodo, Jano delved into the sound archive of the British Museum in London, known for its extensive collections of displaced colonial items. The warbling becomes a ghostly voice that tells of past times, a Kazumbi, a spirit from another world, as in the Ambundu’s traditional belief system. In the museum, the birdcalls become archive material: documented, inventoried, forcibly removed from their natural environment.

Kazumbiis also the title of the exhibited video work. Jano moves on the screens to rhythmic breathing sounds, as if caught by a strange force. He wears a white dress, one that his grandmothers might have also worn back in colonial times. Not a traditional garment, but rather one in the fashion of the colonial rulers, reminiscent also of clerical garments. The clothing of the white man, of the white woman, was a first step in the process of cultural assimilation, a step away from one’s own narrative, from collective memory, away from the Mponda, as the belt-like cotton bags are called, in which Ambundu women preserved their stories.

Jano’s textile works appear to be an expansion of the space itself: lengths of fabric, pockets, bulges, patterns, printed shapes and photographs, colourful seams and threads form an inverted Mponda. No linear narrative, but rather memory as it functions: entangled, jumping, dragging, meandering, sudden, constantly shifting with the overlapping of other narratives.

With Arquivo Mestre, Jean-Claude Maier Gallery contributes to highly topical debates on memory, privilege of interpretation, multiperspectivity and cultural identity. How can the Global North live its responsibility in post-colonial times? To what extent does colonialism still affect global interactions today? How might a coexistence on eye-level become conceivable?

Jano’s photographic works reveal traces of colonial violence. Christian crosses served the conquerors as markers of successful missionary work, i.e. also the displacement of indigenous cultural practices, traditions, and crafts. At Praça De Escravos, the ‘Square of the Slaves’, people were enslaved under the cross.Not Stolen Goodsis an installation in six parts, consisting of transport crates and photographs showing objects from Angola which were looted during colonial times, and which find themselves today in European museums. Were they transported in such crates? Will they be returned in these same boxes, or does only their photographic documentation, their digital alias remain?

It is estimated that over 80% of Africa’s cultural heritage is held in museums and private collections outside the continent. A young generation of Europeans, descendants of African origin, is increasingly raising questions, among others, about a shared cultural identity beyond alienation and whitedominance culture. Through artistic works, myths and stories of their ancestors are reawakened and fused with contemporary daily life, creating new hybrid realities that can no longer be divided into a here and there.

ARTIST

Januário Jano (*1979 in Luanda, Angola) graduated in 2020 with a Master of Fine Arts from Goldsmith University in London. His multimedia artistic practice ranges from painting, textile art and performance to sound, video art and photography. In his work, pop cultural influences merge with traditional practices. The artist’s own body is always central and perceived as a link between the present and the past. Jano lives and works in Luanda, London and Lisbon – www.januariojano.com

EXHIBITIONS (selection)

Around the table. No20 arts, London: 7.5. – 26.6.2021

Redirecting. Tree Art Museum, Beijing: 1. – 31.1.2021

Africa Universe I. Primo Marella Gallery, Milan: 24.9. – 31.1.2021

Departure. Jean-Claude Maier, Lisbon: 13.11. – 10.12.2020

London Grads Now. Saatchi Gallery, London: 3.09. – 11.10.2020

Begin Again. Guts Gallery, London: 13. – 27.08.2020

Public Notice. An Exhibition.Gallery 46 & Public Spaces, London: 20. – 30.8.2020

Tomorrow: London. White Cube Gallery, London: 10.7. – 13.8.2020

Leap of Faith. NO-NO Art Gallery, Lisbon: 5.5. – 7.8.2020

Discourses of Decoloniality. Tinawc Gallery, Lisbon: 2.6. – 1.7.2020

PUBLICATIONS

Atlantica: Contemporary Art from Angola and its Diaspora, 2018, Hangar Books

Protocollum2017/2018: ‘Global Perspectives on Visual Vocabulary’, Dickersbach Kunstverlag

 

CURATOR

Dr. Mahret Ifeoma Kupka is an art scholar, freelance writer and, since 2013, curator of fashion, body and the performative at the Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main, Germany. In her exhibitions, lectures, moderations, writings and interdisciplinary projects, she addresses the issue of racism, memory culture, representation, and the decolonisation of art and cultural practices in Europe and on the African continent. She studied Economics in Heidelberg as well as Aesthetics/Media Theory, Philosophy and Exhibition Design at the Karlsruhe University of Arts and Design, where in 2015 she received her doctorate with a dissertation on ‘Modeblogs und der Mythos der Revolutionierung der Mode’. In 2021 she was a jury member for the Cultural Foundation of Hesse and the KfW Stiftung. Her current project – Talking Objects LAB– focuses on knowledge and memory beyond European systems of knowledge, (post-)colonial thought patterns and the reflecting of Eurocentric perspectives.

www.mahretkupka.de

www.talkingobjectslab.org

SIDE PROGRAMME

A film as well as an artist’s edition will be released to accompany the exhibition.

For dates of artist talks and guided tours with the curator, please see the gallery’s website or newsletter, which can be signed up for here: mail@jeanclaudemaier.com

In accordance with the current Corona regulations, you can visit the exhibition in person (maximum two people) or via ZOOM. Please register here https://calendly.com/jeanclaudemaier/januario-jano-arquivo-mestre?month=2021-05for an appointment. When booking, please indicate your preference (ZOOM or in-person visit at the gallery).

The exhibition is kindly supported by the Stiftung Kunstfonds Bonn in the context of NeuStart Kultur.

Translation by: Isabelle Tondre